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    Takeover: Tipps und Tricks beim Lektorieren und Korrigieren

    August 17, 2018

August 17, 2018

Takeover: Tipps und Tricks beim Lektorieren und Korrigieren

Wie du deinem Text den letzten Feinschliff gibst

Irgendwann wird der Tag kommen, an dem du freudestrahlend das wunderschöne Wörtchen
Ende unter deine Geschichte setzt. Dann lehnst du dich am besten erst einmal ganz entspannt
zurück, verkündest jedem deiner Freunde, dass du so eben deinen Roman fertiggestellt hast
und gönnst dir einige Tage Urlaub, denn dann geht es erst so richtig los!
Dein Text befindet sich nämlich noch in der Rohfassung. Das heißt, dass er noch nicht
lektoriert oder korrigiert, sondern einfach noch roh ist. Ihm fehlt der letzte Feinschliff. Und
den solltest du ihm unbedingt noch geben!
Wenn du jetzt dein Werk zum Beispiel veröffentlichen willst, wie zum Beispiel über einen
Selfpublisher, oder bei einem Wettbewerb teilnehmen willst, solltest du deinen Text noch
mindestens zweimal lesen, bevor du ihn einreichst. Jetzt fragst du dich bestimmt, warum es
nicht reicht, einmal fix über den Text drüber zu schauen, oder?

Überarbeiten ist nicht gleich Überarbeiten

Vermutlich hast du schon von dem berühmt-berüchtigten Lektorat gehört, das ja meist nach
dem Schreibprozess ansteht und das wir ja alle so unfassbar sehr lieben. Nicht. Denn den Text
zu lektorieren bedeutet nochmals einen ganzen Haufen Arbeit, bei dem du dein Werk immer
und immer wieder lesen darfst.
Schickst du dein Manuskript an einen Verlag, gibt der Lektor dir Tipps, wie du dein Werk
noch spannender, humorvoller oder realistischer machst. Dabei kannst nochmals zwischen
zwei Arten von Lektoraten unterschieden werden – einmal dem inhaltlichen Lektorat und
einmal dem stilistischen Lektorat.
Beim inhaltlichen Lektorat, prüft der Lektor oder die Lektorin deinen Text auf Logikfehler
und analysiert den Plotaufbau, die Figurenentwicklung, Spannungsbögen und Erzähl- bzw.
Perspektivfehler. Das ist besonders wichtig, damit auch wirklich alles einen Sinn macht, was
du da geschrieben hast. Sonst wäre dein Text ja nicht ganz rund und könnte deine Leser sehr
verwirren.
In einem nächsten Schritt, dem stilistischen Lektorat, wird genauer auf deine Sprache
geschaut. Hast du eine angemessene Wortwahl verwendet? Gibt es Miss- oder
Unverständlichkeiten? Gibt es merkwürdige Vergleiche, einen seltsamen Satzaufbau oder zu
viele Wortwiederholungen? Das ist alles wichtig, damit dein Text schön klingt und nicht so,
als hättest du ihn in einer Nacht mit zu viel Kaffee intus geschrieben.

Nach dem Lektorat folgt dann das Korrektorat. Wie der Name schon sagt, beschäftigt sich
das Korrektorat mit dem stinknormalen Korrekturlesen, wobei der Name deutlich harmloser
klingt, als es tatsächlich ist. Neben klassischen Rechtschreibfehlern oder einer seltsamen
Grammatik, wird nämlich auch auf die Zeichensetzung oder den Ausdruck geschaut.
Wenn du deinen Text jetzt veröffentlichen willst und nicht den Weg über den Verlag, sondern
zum Beispiel über ein Selfpublishing-Unternehmen nimmst, hast du zwei Möglichkeiten.
Entweder, du investierst eine ganze Stange Geld in einen Lektor, oder du machst es selber.
Ich kann dir nur empfehlen, dass du ein gewisses Interesse an den Tätigkeiten eines Lektors
mitbringen solltest, wenn du dich dazu entschließt, deinen Text selber genauestens unter die
Lupe zu nehmen! Solltest du das nicht tun und dich darüber hinaus auch nicht mit der
tiefergehenden Grammatik auseinandersetzen, kann ich dir nur raten, einen professionellen
Lektor hinzuzuziehen! Für dich als Autor ist es leider immer sehr schwer Logikfehler zu
finden, die Figurenentwicklung zu erkennen oder Perspektivfehler und Unstimmigkeiten zu
bestimmen, weil du einfach zu nah am Text und in der Geschichte drin bist. Für dich ergibt
schließlich alles einen Sinn, was du da gebastelt hast.
Falls du dich aber, so wie ich, dafür interessierst und bereit bist, viele Stunden Arbeit in das
Überarbeiten deines Textes zu investieren, dann habe ich einige Tipps für dich, die dir
bestimmt weiterhelfen können, wenn du dann endlich loslegst.

Tu einfach so, als wäre das nicht dein Text

Wenn du deinen Text fertig geschrieben hast, kannst du dir ruhig ein bisschen Ruhe und
Abstand von ihm gönnen. Es bringt dir absolut gar nichts, wenn du bereits zwei Stunden
später mit dem Überarbeiten anfängst – ich kann dir versichern, dass du absolut keinen
einzigen Fehler entdecken wirst.
Nimm dir vielleicht ein bis zwei Wochen, in denen du in den Urlaub fährst, dein
Wohnzimmer renovierst oder einfach an etwas anderem schreibst. Dann weißt du schon oft
gar nicht mehr, was du überhaupt alles geschrieben hast und hast ein bisschen Ablenkung, die
dir hilft, Fehler besser zu erkennen.
Wenn du dich dann an deinen Schreibtisch setzt, tu einfach so, als wäre das da nicht dein
eigener Text, sondern der Roman deiner Freundin oder eines Autors von Sweek, den du
gegenlesen sollst.
Ganz wichtig ist, dass du alles kritisch hinterfragst. Klingt ein Satz seltsam? Markiere ihn. Ist
etwas unverständlich? Notier dir auf jeden Fall, was nicht stimmig ist.
Dabei bietet es sich an, nicht direkt in deinem Text herumzustreichen, sondern zum Beispiel
die Kommentarfunktion bei Word zu nutzen, um dir kleine Anmerkungen zu machen. So
weißt du, bis wohin du schon überarbeitet hast und kannst dir später nochmals deine Notizen
ansehen, um zu überlegen, ob diese Änderungen wirklich Sinn machen oder nicht.

Der alte Trick: eine Checkliste führen

Vielleicht sind dir auch beim Schreiben schon einige Dinge aufgefallen, die du störend findest
oder von denen du im Nachhinein gemerkt hast, dass sie unverständlich sind. Am besten ist
es, wenn du dir eine Checkliste anlegst, die du beim Überarbeiten immer bei dir hast. Falls du
einige Fehler immer und immer wieder machst, zum Beispiel ein Wort immer wieder falsch
schreibst oder “dass” und “das” verwechselst, fällt es dir so leichter, diese Fehler im Text auch zu
finden. Dank der Checkliste wirst du nie vergessen, worauf du nochmal achten wolltest.
Das funktioniert übrigens auch mit Logikfehlern. Wird zum Beispiel öfters ein
Handlungsstrang aufgegriffen, der vor der eigentlichen Handlung stattfand, aber noch
Auswirkungen auf die Realität der Figuren hat, kannst du ihn ganz genau aufschreiben und so
nachlesen, wie es wirklich passiert ist. Wenn du dann an die Stelle kommst, an der die
Figuren über diese bestimmte Handlung sprechen, kannst du abgleichen, ob es auch wirklich
der Wahrheit entspricht, oder ob du einfach nur etwas vergessen oder anders formuliert hast.
Zum Beispiel: Anne und Ole waren drei Jahre lang ein Paar, aber dann hat Ole Anne betrogen
und sie hat Schluss gemacht. Jetzt, zwei Jahre später, erzählt Anne ihrer neuen Freundin Lena,
dass Lenas Freund Ole sie vor zwei Jahren betrogen hätte und sie ihm deshalb nicht traut und
seit dem auch keinen neuen Freund gehabt hätte.
Wenn du dir das so aufschreibst und den Zettel einfach beim Lesen neben dich legst, fällt dir
dann vielleicht auf, dass du an der einen Stelle geschrieben hast, dass Ole ohne Grund Schluss
gemacht hätte oder sowas. Das wäre dann ja ein Fehler, weil du an einer anderen Stelle bereits
etwas anderes behauptet hättest.
Leg dir also unbedingt eine Checkliste mit den Dingen an, auf die du besonders achten
möchtest.

Stell dir vor, du wärst auf einer Lesung

Im ersten Moment mag es dir vielleicht komisch vorkommen, aber dieser Trick ist eigentlich
gar nicht so blöd, wie er klingt. Denn spätestens auf einer Lesung musst du einen kleinen
Ausschnitt aus deinem Buch vorlesen – und dann soll es doch möglichst flüssig klingen, oder?
Wenn du beim Lesen immer wieder über eine Stelle stolperst, die sich schwer lesen lässt,
solltest du sie umformulieren, damit sie auch beim Vorlesen gut klingt und sich leicht lesen
lässt. Wenn der Lesefluss deines Lesers immer wieder gestoppt wird, wird dein Leser das
Buch sofort wieder weglegen.
Bist du dir also nicht sicher, ob eine Passage gut klingt oder sich gut lesen lässt, lies sie
einfach laut vor.

Wenn das alles nichts bringt, muss halt der Drucker herhalten

Du kannst dir deinen Text natürlich so oft wie du willst auf dem Bildschirm deines Laptops,
Tablets oder Handys durchlesen – irgendwann wirst du keine Grammatik- oder
Rechtschreibfehler mehr finden. Ganz einfach aus dem Grund, dass wir den Text am PC oft
anders wahrnehmen, als auf gedrucktem Papier.
Wenn du es also ganz genau machen willst, solltest du deinen Text ausdrucken und mit einem
Stift in der Hand lesen, um mögliche Kommafehler zu finden und dir die Stellung der
Satzzeichen nochmals genauer anzusehen. Sollte es sich bei deinem Roman um ein 400-DIN-
A4-Kolloss handeln, würde ich dir raten, einen Copyshop aufzusuchen, um deinem eigenen
Drucker nicht zu viel zuzumuten. Glaub mir, entweder fällt er mittendrin auseinander, die
Tinte ist leer oder ihm fällt ein, dass er sich gerade jetzt reinigen muss. Drucker scheinen da
irgendwie ein Gespür für zu haben, wenn sie gebraucht werden.

Last but not least – das Rechtschreibprogramm

Inzwischen gibt es natürlich auch jede Menge Algorithmen, die deinen Text auf
Rechtschreibung und Grammatik überprüfen können. Bei Word oder Open Office, selbst bei
der Tastatur deines Handys ist das bereits vorprogrammiert.
Darüber hinaus gibt ein Programm, das deinen Text auf seine Lesbarkeit überprüft. Das ist der
sogenannte Flesch Index (ich will hier keine Werbung für dieses Tool machen und auch nicht
meine Meinung darüber äußern, sondern dich nur darüber informieren, dass es diese Funktion
gibt). Du kannst einfach in die Suchleiste Flesch Index eingeben und schon berechnet dir
dieser Algorithmus kostenlos, ob sich dein Text gut lesen lässt oder nicht. Entwickelt wurde
diese spezielle Formel von dem Wiener Rudolf Flesch. Durch die Anzahl der Sätze, Wörter
und Silben wird geprüft, wie eingängig dein Text ist. Schließlich wird dir ein Wert zwischen 0
und 100 angezeigt – je höher dein Ergebnis ist, desto besser lässt er sich lesen. Aber Achtung,
es geht nicht darum, ob es auch wirklich einen Sinn macht, was du da geschrieben hast. Das
Tool geht nur auf die Lesbarkeit ein, nicht auf den Inhalt!
Wenn du nun also deinen nächsten Roman beendest und das Überarbeiten ansteht, hast du auf
jeden Fall eine kleine Liste mit Tipps, auf die du zurückgreifen kannst. Natürlich kommt
irgendwann der Moment, in dem du dich dafür verfluchst, wie viel du überhaupt geschrieben
hast, aber ehe du dich versiehst, bist du schon am Ende angelangt und hast es geschafft. Und
das ist wirklich das schönste Gefühl des ganzen Prozesses – zu wissen, dass es jetzt fertig und
geschliffen ist. Also, viel Spaß beim Lektorieren und Korrigieren!



Dieser Post im #sweekkeeperblog kommt von eurer SweekKeeperin Viktoria @ViktoriaChristians. Sie schreibt gerne Young Adult und Fantasy.

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