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    Takeover: Gute Protagonisten – die Helden einer Geschichte

    May 25, 2018

May 25, 2018

Takeover: Gute Protagonisten – die Helden einer Geschichte

Wie wird mein Protagonist legendär?

In einem der letzten Blogeinträge hat die liebe Delia dir ja schon verraten, dass sich dein
Protagonist, also dein Hauptcharakter, um den sich deine Geschichte dreht, verändern muss.
Bleibt dein Prota nur auf einer Stufe stehen und gewinnt keine neuen Ansichten, keine neue
Stärke oder Tiefpunkte und Erfahrungen dazu, wirst du deine Story im schlimmsten Falle
niemals fertig stellen. Dir wird klar, dass etwas fehlt und es macht dir keinen Spaß mehr,
weiter zu schreiben. Wie kannst du das also ändern? In dem du eine Persönlichkeit erschaffst,
die einfach nur legendär ist!

Was macht einen realistischen Helden aus?

Ich denke, das ist die essentiell wichtigste Frage, die Autoren gestellt bekommen. Was macht
Ihrer Ansicht nach einen guten Protagnisten aus? Vermutlich lässt sich darüber genauso viel
diskutieren wie über die Frage, ob eine gute Geschichte einen Prolog haben sollte oder nicht.
Tatsache ist, dass es darauf keine genaue Antwort gibt. Ich denke, ein realistischer Held
zeichnet sich dadurch aus, dass er glaubwürdig und menschlich ist. Wie sollten sich sonst
deine Leser mit ihm identifizieren können?
Auch die Frage, wie du es schaffst, deinen Prota menschlich werden zu lassen, kann vielseitig
beantwortet werden. Jeder Autor setzt da seinen Fokus vermutlich ebenfalls anders. Vielleicht
solltest du dich beim Gestalten deiner Protagonisten fragen, was für dich Menschlichkeit
bedeutet und welche Eigenschaften du damit verknüpfst.
Wichtig ist, dass du dir eines klar machst: Menschen sind nicht perfekt! In unserer heutigen
Gesellschaft wird erwartet, dass wir perfekt sind, aber das sind wir nicht. Und unsere Helden
in den Geschichten sollten es erst recht nicht sein!

Die Must-Haves deines Protagonisten

Wie schon die Frage, was einen realistischen Helden ausmacht, lässt sich auch die Frage
beantworten, was dein Prota unbedingt besitzen sollte.
Da es sich bei den meisten Protagonisten um Menschen handelt, solltest du ihm auf jeden Fall
einen Namen, eine Familie, einen Geburtstag und ein Hobby verpassen. Hilfreich kann es hier
sein, dir Charakterbögen aus dem Internet runterzuladen und auszufüllen. Ich nehme mir
manchmal auch alte, noch nicht ganz ausgefüllte Freundebücher zur Hilfe und fülle sie für die
verschiedenen Charaktere aus. Deine Priorität sollte darin liegen, dich mit deinen
Charakteren vertraut zu machen, während du sie gestaltest.
Wie reagiert mein Protagonist in dieser und jener Situation?
Was würde er sich von einem Dschinn wünschen?
Um deine Charaktere besser kennen zu lernen, kannst du sie auch interviewen. Das macht
nicht nur viel Spaß, sondern hilft dir, dich besser mit den Eigenschaften, die du ihnen gegeben
hast, vertraut zu machen und dem entsprechend zu reagieren.
Wie in dem letzten Blogbeitrag über die Entwicklung von Charakteren bereits erwähnt, muss
sich dein Prota auf seiner Reise verändern. Dafür muss er aber erst einmal auf die Reise geschickt werden. Um diesen Prozess realistisch gestalten zu können, musst du die Fallhöhe
deines Helden sehr hoch setzen. Die Fallhöhe ist das, was dein Prota verlieren kann, wenn er
handelt oder eben nicht handelt.
Zum Beispiel: Anna ist mit Tom zusammen, weil Tom viel Geld hat und das Altersheim ihrer
schwer kranken Mutter finanziert. Natürlich liebt sie ihn auch, aber Tom behandelt sie
ziemlich mies, weshalb Anna am Überlegen ist, ob sie nicht besser Schluss machen sollte.
Wenn sie Tom allerdings verlässt, fiele die finanzielle Unterstützung für das Altersheim
weg… Die Frage, was Anna nun tut, ist spannend. Sie ist kritisch. Und sie bringt einen
inneren Konflikt mit sich. Der innere Konflikt und die Fallhöhe können also miteinander
verbunden sein. Durch dieses Dilemma wird deutlich, dass deine Figur
nicht perfekt ist. Anna aus dem Beispiel könnte abwägen was passiert, wenn sie Schluss
macht, vielleicht sucht sie sich auch einen neuen Job, der besser bezahlt wird, aber was wäre,
wenn der Chef echt fies ist und sie belästigt? Oder ihr neuer Mieter am Ende des Monats mehr
Kohle verlangt, als Anna aufbringen kann? Zurück zu Tom könnte und möchte sie auch
nicht… Anna fängt also an, an sich zu zweifeln.
Als Autor solltest du dir merken, dass Zweifel deine Freunde sind. Wenn dein Prota an einer
Entscheidung zweifelt, ist das gut. An diesen Hindernissen wächst er.

Muss mein Protagonist sympathisch sein?

Viele werden diese Frage mit Ja beantworten.
Ich sage: nicht ganz.
Ich denke, wenn du als Leser ohne jegliche Vorurteile anfängst, ein Buch zu lesen, muss der
Held nicht sofort sympathisch sein. Klar, wenn er sympathisch ist, fällt es dir leichter, dich
mit ihm zu identifizieren. Aber ich muss gestehen, dass ich viele Bücher gelesen habe, dessen
Protagonisten ich nicht sympathisch, dafür aber beeindruckend fand. Das sind diese
Charaktere, die du niemals in deinem Leben vergessen wirst. Und ich wette, wenn du vor
deinem Bücherregal stehst und dir jede einzelne Geschichte mal reflektiert durch den Kopf
gehen lässt, wird es dir ähnlich wie mir ergehen.
Manchmal können wir als Leser einzelne Handlungen der Figuren nicht nachvollziehen. Das
ist okay. Und das ist auch richtig so, weil das beweist, dass die Figuren menschlich sind und
ihren eigenen Kopf haben. Es wäre ja auch langweilig, wenn die Figuren das machen würden,
was jeder macht. Schließlich sind sie genauso einzigartig wie wir es sind und wir zeichnen
uns auch dadurch aus, dass wir einige Sachen nun mal anders machen als andere Menschen.
Sorge deshalb beim Planen immer wieder für Überraschungen. Lasse deinen Helden etwas tun,
was niemand von ihm erwartet hätte. Ist dein Held das stille kleine Mäuschen, lass ihn zum
Rockstar werden. Ist er ein schludriger Autor, der permanent in seinem Kabuff hockt und die
Menschheit meidet, biete ihm einen Job als Journalist bei der renommiertesten Zeitschrift der
Stadt an.
Dein Held muss nicht sympathisch sein. Er muss einprägsam und einzigartig sein.

Mary Sues und wie du sie vermeidest

Wie genau gestaltest du denn jetzt einen einprägsamen und einzigartigen Charakter? Dafür
kann ich dir leider keine genaue Anleitung geben. Was aber beim Leser garantiert einen
bleibenden Eindruck hinterlässt, sind Gegensätze.
Taube, die Musik machen.
Ängstliche, zurückgezogene Personen, die Schauspieler werden wollen.
Autoren, die über Menschen schreiben, aber Misanthropen sind.
Deine Gegensätze müssen sich nicht nur auf Eigenschaften beziehen. Sie können sich auf
alles beziehen. Das ist ja das Schöne an dem Gestalten der Figuren – du kannst sie so
facettenreich gestalten, wie du magst. Je mehr verschiedene Seiten du zeigst, desto
spannender wird deine Figur. Deshalb nennt man diese ziemlich umfangreichen Charaktere
drei dimensionale Figuren. Im Idealfall gelingt es dir schon beim Schreiben eine so komplexe
Persönlichkeit zu erschaffen. Sollte es dir im ersten Anlauf nicht gelingen, brauchst du nicht
beunruhigt sein, weil es viel Übung und Feingefühl erfordert, um die einzelnen,
verschiedenen Facetten einer Figur im Laufe der Geschichte aufzufächern. Deshalb ist es
auch so wichtig, dass du viel schreibst und planst und plottest, um besser zu werden.
Aber pass auf: wenn Autoren sich eine perfekte Welt vorstellen, wollen sie meistens auch,
dass ihre Figuren perfekt sind. Das bedeutet im Klartext, dass ihre Helden wunderschön sind,
mit sich und der Welt im Reinen sind, viel Geld haben und ultra beliebt sind. Diese Art von
Figur nennt sich Mary Sue. Sie sind die unpersönlichste Art von Figuren und fallen unter die
zwei dimensionalen Figuren. Das sind die Charaktere, die nur an der Oberfläche kratzen. Sie
besitzen keine Tiefe, gehen nicht in die verschiedenen Ebenen einer Persönlichkeit hinein.
Wenn du eine Mary Sue als Hauptcharakter verwendest, wird keiner deine Geschichte weiter
lesen wollen, weil sich deine Leser nicht mit dieser perfekten Person identifizieren können.
Mary Sues vermitteln das Ideal eines perfekten, unfehlbaren Menschen. Aber das sind wir nun
mal nicht.
Wenn du nun also deinen nächsten Helden entwirfst, denke daran: wenn du einen legendären
Protagonisten erschaffen willst, solltest du ihn so unperfekt wie möglich machen.

 

Dieser Post im #sweekkeeperblog kommt von eurem SweekKeeper Viktoria @ViktoriaChristians. Sie schreibt gerne Young Adult und Fantasy.

Du hast die Ankündigung des SweekKeeper Takeovers verpasst? Schau hier vorbei, um einen Überblick über die Autoren und die Themen zu bekommen!

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