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November 2, 2018

10 Schreibtipps von der SweekStars Gewinnerin 2017

Letztes Jahr hat Julia aka JellyFox88 die Sweekstars 2017 gewonnen. Hier hat sie für euch ihre besten Schreibtipps zusammengefasst – falls ihr ihre Gewinnergeschichte von den Sweekstars 2017 lesen möchtet, schaut hier (Digital) oder hier (Buch) vorbei.

Es gibt viele Möglichkeiten sich Schreibtipps zu besorgen. Zahlreiche Websites versuchen
einen Einblick in den Schreibprozess zu geben, in Autorenforen kann man sich Hilfe in der
individuellen Schreibsituation holen und Plattformen wie Sweek bieten die Chance direktes
Fan-Feedback zu erhalten. Die Leser*innen werden direkt in den Schreibprozess einbezogen
und Autor*innen können sich gegenseitig beobachten und helfen. Dabei haben wohl alle
ihre ganz persönlichen Vorlieben, Stärken und Schwächen. Die folgenden zehn Punkte geben
einen Einblick in Dinge, die mir beim Schreiben einer Geschichten immer wieder begegnen,
Kopfzerbrechen bereiten oder gezielt weiterhelfen.

#1. „Die Idee“ versus „der Plot“

Jeder Schreiberling kennt das: Man hat eine Idee im Kopf, von der man felsenfest
überzeugt ist. Wenn man daraus jedoch eine Geschichte machen will, braucht es
einen handfesten Plot. Vielleicht gibt es sogar schon den Anfang, das Ende und die
grobe Handlung. Aber meistens reicht das nicht für eine Story in Buchlänge aus.
Zusätzlich kann es dazu kommen, dass man doch noch etwas einbaut oder gar wieder
löscht. All das führt zu Stolpersteinen beim Schreiben. So lange man bei den Dingen
bleibt, die einem deutlich vor Augen sind, läuft es gut. Doch an anderen Stellen stockt
es und wird zäh. Im schlimmsten Fall hat man eine Schreibblockade. Daher setzte ich
mich immer erst hin und verfasse eine Zeitlinie, in der die Dinge geschehen. Diese
muss nicht unbedingt der späteren Chronologie des Buches entsprechen, aber sie
hilft mir, den Überblick zu behalten und mich im Fall der Fälle an meine
ursprünglichen Gedanken zu erinnern. Danach versuche ich die Meilensteine der
Geschichte – diesmal chronologisch an der Handlung entlang – in Stichpunkten
aufzuschreiben, an denen ich mich ebenfalls orientieren kann. Erst dann fange ich mit
dem eigentlichen Schreiben an.

#2. Aller Anfang ist schwer

Am schwersten fällt es den Meisten – und auch mir – den Anfang einer Geschichte zu
schreiben. Viele beginnen daher wahllos irgendwelche Kapitel zu verfassen und erst
später in die tatsächliche Reihenfolge zu bringen. Das ist eine Möglichkeit. Ich gehe
jedoch anders an die Sache heran: Es kann vorkommen, dass ich tagelang
verschiedene Ideen eines Anfangs ausprobiere. Häufig gibt es bei meinen
Geschichten einen Prolog, der die Leser direkt in die Geschichte bringt und neugierig
macht. Diesen schreibe ich in verschiedenen Versionen und überlege dann, welcher
für die Story am besten geeignet wäre. Steht dieser Prolog, fällt mir der Rest deutlich
leichter.

#3. Mit Schreibblockaden umgehen

Schreibblockaden sind wohl das Schlimmste, was ein Schreiberling sich vorstellen
kann. Sie treten auf, wenn man sie am wenigsten braucht und treiben einen in den
Wahnsinn. Stunden-, wenn nicht sogar tagelang starrt man auf ein leeres Blatt Papier
oder Textdokument. Vielleicht schreibt man sogar ein, zwei Zeilen, doch es „fluppt“
nicht so richtig. Hier hilft es nicht etwas zu erzwingen oder sich gar Deadlines zu
setzen. Im Gegenteil: Viel besser ist es einfach einige Zeit das Schreiben sein zu lassen.

Damit meine ich nicht, sich faul in die Ecke zu setzen, sondern viel mehr sich
mit anderen Details zu beschäftigen und anderen Fragen rund um die Geschichte
nachzugehen. Wie sollen meine Charaktere heißen, wie alt sind sie, welche
Charakterzüge machen sie aus? Häufig kommt mit der Beantwortung solcher Fragen
auch die Lust zum Schreiben wieder ganz von alleine. Aber Achtung: Auf keinen Fall
von sozialen Netzwerken und Co. ablenken lassen. Das sind wahre Zeitfresser.

#4. Inspiration durch Musik

Ebenfalls hilfreich bei Schreibblockaden, aber auch einfach so, ist Musik. Sie kann
enorm dabei helfen einen Schreibfluss zu bekommen oder Stimmungen in einem zu
erzeugen, die man dann aufs Papier bringen kann. Ich persönlich habe hier
Soundtracks und Musik für Film- und Fernsehtrailer für mich entdeckt. Sie sind von
sich aus schon so komponiert, dass sie eine Geschichte erzählen. Wenn man die
zugehörige Szene jedoch nicht kennt, kann ein jeder hineininterpretieren, was auch
immer er oder sie möchte. So können ganze Kapitel entstehen.

#5. Auf alles vorbereitet sein

Das ist ein Tipp, den ich leider selbst viel zu selten beherzige, aber dennoch
weitergeben möchte. Schreibt alles sofort auf! Auch wenn man glaubt, das weiß man
in einer halben Stunde auch noch: Es wird nicht dasselbe sein. Wörter und Sätze
verschwimmen, Details gehen viel zu schnell wieder verloren. Daher heißt die Devise:
Habt immer ein Notizbuch dabei und schreibt einen Gedanken immer umgehend auf.

#6. Umgang mit Onlineplattformen

Onlineplattformen wie Sweek sind sehr praktisch. Sie ermöglichen einen engen
Kontakt mit der Leserschaft und sorgen im Idealfall für sofortiges Feedback.
Allerdings ist eine Geschichte ein lebendiges Werk. Es wird im Laufe des Schreibens
häufig verändert, in der Reihenfolge verdreht, ergänzt oder gekürzt. Das kann für die
Onlinefans sehr verwirrend sein. Plötzlich fehlt ein Kapitel oder der hinterlassene
Kommentar ist gelöscht. Daher bin ich mit meinen Geschichten immer mehrere
Kapitel im Vorlauf, bevor ich sie veröffentliche. So kann ich sie noch mehrfach
durchgehen und mir sehr sicher sein, dass sie so bleiben wie sie sind.

#7. Loslassen können

Der für mich schwerste Teil im Schreibprozess ist das Loslassen. Wann ist ein Kapitel
wirklich fertig? Muss nicht doch noch etwas optimiert werden? Verstehen die Leser,
was ich meine? Und die schlimmste aller Fragen: Gefällt es den Leuten? All das sind
Dinge, die mich jedes Mal beschäftigen, wenn ich etwas veröffentliche. Dabei ist es
eigentlich ganz einfach. Man sollte zu den Dingen stehen, die man schreibt. Denn
etwas wird niemals allen gefallen, sondern nur einem entsprechenden Publikum.
Wichtig ist nur, dass man selber sagen kann: Ja, das ist von mir und ja, das ist gut so,
wie es ist.

#8. In Charaktere hineinversetzen

Charaktere machen eine Geschichte erst lebendig. Sie sind es, um die sich alles dreht.
Daher sollten sie auf keinen Fall „platt“ sondern mehrdimensional sein. Niemand ist
aus allen Perspektiven wirklich böse oder immer moralisch vollkommen überlegen.
Menschen haben immer Ecken und Kanten. Diese brauchen auch die Charaktere einer guten Geschichte.
Die besten Autoren haben ganze Nebenbücher mit Vorgeschichten zu ihren (Anti-)Held*innen oder
spinnen deren Lebensgeschichte über das Buch hinaus weiter. Dies macht es möglich,
sie sich entwickeln zu lassen. Das sollte jeder/jede Autor*in versuchen. Ich maße
mir nicht an, dass ich das auch nur ansatzweise schaffe, aber ich gebe mein Bestes,
in dem ich mir überlege woher meine Charaktere kommen, auf welchen Weg sie sich begeben
und wo sie einmal enden werden. Dafür brauchen sie gewisse Eigenschaften, die ich in ihre
Verhaltensmuster und Dialoge einbauen.

#9. und #10. Feedback und Mut

Tipp neun und zehn gehören für mich zusammen. Es handelt sich dabei um Feedback
und Mut. Denn beides braucht man, um eine Geschichte besser zu machen. Nur
durch Feedback entdeckt man etwaige Handlungsfehler, kann die Dinge nochmal aus
einer anderen Perspektive betrachten und damit alles zugunsten der Story
optimieren. Um aber an dieses Feedback zu kommen, braucht es Mut. Mut, die
Geschichte jemandem zu präsentieren, der sie möglicherweise vollkommen
auseinandernimmt oder nicht leiden kann. Daher ist es wichtig jemandem zu haben,
dem man vertraut. Dies können unterschiedliche Personen sein, je nachdem, was
man gerade braucht. Ist es einem wichtig auch Form- und Grammatikfehler korrigiert
zu bekommen? Dann sollte die Person auch darin firm sein. Will man das erstmal
komplett Außen vorlassen? Dann braucht es eher einen Bücherwurm, der das Genre
der Geschichte mag und sich darin auskennt. Mir persönlich fällt es unheimlich
schwer meine Geschichten Personen zu zeigen, die ich kenne. Ich habe daher in
diesem Zusammenhang tatsächlich Plattformen wie Sweek für mich entdeckt. Hier
tummeln sich viele Schreiberlinge, die einander wahnsinnig gut helfen können. Es ist
ein guter Weg, wenn man nicht direkt der Familie oder Freunden etwas präsentieren
möchte. Es muss aber auch nicht immer alles online sein. In vielen Städten gibt es
Gruppen, die gemeinsam schreiben und sich gegenseitig helfen. Vielleicht auch in
Eurer Nähe.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nutzt Dinge, die euch im Schreibprozess gut tun,
um Schreibblockaden zu verhindern oder zu überwinden. Gebt der Geschichte einen
sinnvollen Handlungsstrang und euren Figuren Stärken und Schwächen. Habt den
Mut eure Geschichten von jemandem gegenlesen zu lassen und nehmt die Kritik an.
Lasst euch aber nicht so weit reinreden, dass eure Geschichte das verliert, was sie
ausmacht. Steht zu euren Entscheidungen, wenn sie essentiell für die Geschichte
sind.

 

Hat euch dieser Blogpost gefallen? Dann schaut bei uns in der offiziellen Sweekstory zu den Sweekstars 2018 vorbei und schreibt eure eigene Story! 

April 20, 2018

Takeover: Wie dein Protagonist sein Ziel erreicht

Der Handlungsverlauf deiner Geschichte & warum er so wichtig für dich ist

Ich muss ungefähr in der sechsten Klasse gewesen sein, als meine Deutschlehrerin das erste
mal von so einem roten Faden erzählte, ohne den eine Geschichte absolut keinen Sinn ergäbe,
den aber niemand sehen kann.
Das Problem damals war, dass sowohl ich als auch meine Mitschüler gar nichts mit dem Wort
imaginär anfangen konnten, weil wir noch immer der festen Überzeugung waren, dass sich
unsere Hogwarts-Eule einfach nur verspätete. Wie soll man sich das denn auch vorstellen,
einen nicht existierenden, angeblichen Faden, der sich durch eine Geschichte zieht?
Heute weiß ich natürlich, dass der rote Faden nichts anderes als eine Metapher für die zentrale
Handlung eines Textes ist. Die Handlung einer Story wird heute gerne auch wie im
Englischen einfach nur Plot genannt, wobei ich der festen Überzeugung bin, dass sich dieser
Begriff unter den Jungautoren nur so gut verbreitet, weil er viel kürzer als das Wort Handlung
ist und vor allem viel spannender und aufregender klingt.

Warum ist der Plot jetzt so nützlich?

Damals, in der sechsten Klasse, habe ich angefangen, meine Schreibtechniken auszubauen.
Ich war der festen Überzeugung, dass das, was ich da mit meiner krakeligen Handschrift auf
meine Karoblätter schrieb, absolut richtig war und natürlich noch richtig gut klang. Allerdings
habe ich dann später beim Durchlesen immer gemerkt, dass etwas fehlte. Dass meine ganzen
Ideen, die ich für meine Geschichte hatte, gar nicht wirklich mit eingebaut waren, weil ich
beim Schreiben immer vergessen hatte, was ich eigentlich schreiben wollte.
Ich habe meinen Protagonisten also einfach ins kalte Wasser geschmissen, ohne zu wissen,
wo er irgendwann mal wieder an Land geht. In den meisten Fällen ist er meistens einen
ganzen Ozean lang durchgetaucht, ohne auch nur einmal eine einsame Insel zu sehen.
Nichts von dem, was ich geschrieben hatte, ergab auch nur ansatzweise einen Sinn, weil mein
roter Faden nur ein wirres Wollknäul war. Weil ich mir nichts unter diesem Begriff vorstellen
konnte, wobei der rote Faden eigentlich immer mit dem Plot verwebt sein sollte. Da ich
allerdings nicht mal einen Plot hatte, besaß ich folglich nicht einmal einen roten Faden.
Vielleicht erinnerst du dich ja noch an deine Schreibanfänge, bei denen es dir vermutlich so
ähnlich wie mir ergangen ist. Vielleicht hast du aber auch noch heute das Problem, dass du
deinen Protagonisten einfach nicht auf eine angemessene Reise schicken kannst.
Versuche dir deshalb, den roten Faden wie einen Wanderweg vorzustellen. Kannst du vom
Fuß des Berges aus dein Ziel bereits sehen? Oder läufst du einfach los, direkt ins Blaue
hinein?
Wenn ich einen Roman lese, will ich Handlungspunkte, die unvorhersehbar sind. Ich will
nicht jede neue Biegung auf dem Wanderweg sehen und schon gar nicht das offensichtliche
Ziel.

Wie berechne ich denn jetzt eine genaue Route für diese Reise?

Als Autor solltest du dies allerdings tun. Du solltest das für deinen Protagonisten
offensichtliche Ziel genau vor Augen sehen, jede Biegung, wirklich absolut jeden Kieselstein,
über den dein Held stolpert.
Wenn du jetzt wie ich sagst, dass du das alles in deinem Kopf behältst, dass du den Weg ganz
klar vor Augen siehst, dann rate ich dir trotzdem, dir immer ein paar Notizen zu machen,
damit du den Überblick behältst und nichts vergisst, was du unbedingt schreiben willst.
In dem du jetzt nämlich deine Handlung grob skizzierst, berechnest du quasi die Route deines
Protagonisten zu seinem Ziel. Um in der Metaphorik zu bleiben, das kann die Spitze eines Berges
sein, ein Hochausdach in New York oder eine bestimmte Stadt am Ende eines Roadtrips.
Autoren bezeichnen diesen Vorgang oft als plotten. Das Plotten ist bereits meist mit der
Recherche verbunden oder kommt oft nach dem Gestalten der Charaktere. Dabei ist es
natürlich dir überlassen, an welcher Stelle im Entwicklungsprozess deiner Geschichte du mit
dem Plotten anfängst.

Warum sollte ich plotten?

Heute ist für mich das Plotten unverzichtbar, genauso wie für viele andere Jungautoren auch.
Da gibt es die Outline-Schreiber, die wirklich jeden noch so kleinen Kieselstein auf dem Weg
des Protagonisten kennen, oder die Entdecker-Schreiber, die sich ein bisschen mehr Freiraum lassen,
um sich während des Schreibens ihre Geschichte weiter auszudenken.
Grundsätzlich solltest du plotten, damit du wirklich nichts von deinen Ideen und Schauplätzen
vergisst und deinen roten Faden beibehältst, also dein zentrales Thema nicht aus den Augen
verlierst. Du kannst dir dafür ein kleines Notizbuch anlegen, in dem du die Notizen zu deinen
Charakteren, deinem Setting und deiner Prämisse, sowie deinen Plot aufschreiben kannst,
damit du all deine Unterlagen zusammen hast. Während es Schreibens ist es oft sehr hilfreich,
auf deinen Handlungsverlauf zurück zu greifen, wenn du mal längere Zeit nicht schreiben
konntest, um leichter wieder in deine Story hinein zu finden.
Natürlich gibt es, wie bei so vielen Dingen, verschiedene Möglichkeiten, deine Route zu
berechnen, also, deinen Plot zu entwerfen. Ich habe dir drei verschiedene Wege rausgesucht,
die du anwenden kannst, wenn du in Zukunft deinen Roman plottest.

Die Drei-Akte- Struktur

Wenn du, so wie ich, noch zur Schule gehst oder gerade deinen Abschluss machst, ist dir
diese Methode bestimmt noch geläufig. Wenn nicht, erinnerst du dich gleich wieder daran.
Die Drei-Akte- Struktur ist vermutlich die geläufigste Methode, um einen Text zu
strukturieren. Deshalb wird diese Form oft in Klausuren gefordert, wie zum Beispiel in
Deutsch bei einer typischen Gedichtsinterpretation. Genau das gleiche Prinzip kannst du auch
auf deinen Roman anwenden. Wenn du ein Entdecker-Schreiber bist, bietet diese Form dir
besonders viele Vorteile.
Als erstes fängst du mit der Einleitung an.

Dies ist der Anfang deiner Geschichte, indem du kurz deine Protagonisten und seine Welt
vorstellst, woraus sich oftmals schon der zentrale Konflikt deiner Geschichte abzeichnet.
Darauf folgt dann der Hauptteil.
Dein Konflikt spitzt sich im weiteren Verlauf so zu, dass er die Überhand gewinnt und dein
Protagonist seinen absoluten Tiefpunkt erreicht. Seine Lage scheint aussichtslos, er wird
niemals sein Ziel erreichen. Das ist der Höhepunkt deiner Geschichte.
Im Schluss wird der Konflikt anschließend durch den Protagonisten aufgelöst. Er hat seinen
Tiefpunkt überwunden und sein Ziel erreicht und ist mit seiner großen Liebe durchgebrannt.
Die Übergänge schmückst du dabei mit Wendepunkten aus, anstelle von klaren
Satzanfängen, die den nächsten Abschnitt verdeutlichen und somit offensichtlich wird, dass
deine Einleitung zu Ende ist und dein Hauptteil beginnt. Besonders dein Hauptteil sollte hier
den Großteil deines Textes ausmachen.

Der Fünf-Akte- Plan nach Freytag

Spätestens bei der Szenenanalyse eines Dramas ist dir bestimmt schon einmal der liebe Herr
Gustav Freytag begegnet. Er war ein deutscher Dramatiker und Romanautor und entdeckte
diesen, besonders für Dramen typischen Aufbau. Diese Plot-Methode gibt dir schon genauer
vor, was, wann und wo ein Teil deiner Handlung geschieht.

Exposition
Du beginnst wieder mit einer Einleitung deiner Geschichte, in der du deine Prota- und
Antagonisten vorstellst, deine Schauplätze beschreibst und den Auslöser deines zentralen
Konfliktes nennst. Dabei muss dieser Auslöser nicht immer offensichtlich sein. Hauptsache ist,
dass deine Handlung in Schwung kommt.

Anabasis (Handlungssteigerung)
In deiner Handlung treten weitere Komplikationen auf, die eine frühzeitige Auflösung deines
Konfliktes verhindern. Dabei kann es zu einer Begegnung zwischen deinem Prota- und
seinem Antagonisten kommen, wodurch der Auslöser und somit eine Art Parteibildung
deutlicher wird. Zum Beispiel können deine Leser jetzt besser von Gut und Böse
unterscheiden.

Peripetie / Klimax
Mit dem dritten Handlungspunkt erreicht deine Geschichte ihren Höhepunkt. Deine Handlung
beziehungsweise dein Konflikt artet aus. Es kommt zu einem Kampf, einem Wutausbruch
oder wie bei Romeo und Julia zu dem Mord an Tybalt, Julias Cousin und der Verkündung
ihrer Hochzeit mit Paris. Ein Happy End scheint für den Protagonisten in diesem Teil
hoffnungslos.

Katabasis (Handlungsabfall)
In deinem vierten Handlungspunkt baut sich die Spannung allmählich ab. Es kann ein Plan
geschmiedet werden, der dann durchgeführt werden soll, wodurch sich meist schon ein
offensichtliches Ende deiner Geschichte abzeichnet.

Dénouement / Auflösung
Zum Schluss löst du deinen Konflikt auf. Der Plan, den du im vierten Akt geschmiedet hast,
geht auf oder scheitert. In Dramen bedeutet das Ende oftmals den Tod für die Protagonisten.
Das heißt natürlich nicht, dass du deine Protagonisten ebenfalls sterben lassen musst.
Ein kleiner Tipp von mir: Versuche jeden Akt wieder mit einem Wendepunkt zu verknüpfen
und dadurch das Ende nicht so offensichtlich zu gestalten. Ich greife nochmal zum Vergleich
auf meinen alten Freund Shakespeare zurück: Stünde im Prolog nicht bereits, dass Romeo und
Julia sterben werden, wäre der fünfte Akt nochmal ein richtig dramatischer Wendepunkt, als
klar wird, dass Romeo den Brief nicht bekommt und somit gar nicht weiß, dass Julia nicht
wirklich tot ist. Also halte dir auf jeden Fall immer ein Ass im Ärmel bereit.

Die Sieben-Eckpunkte deiner Wanderroute

Zu guter Letzt habe ich noch die Sieben-Punkte- Struktur von Dan Wells für dich, die vor
allem etwas für die Outline-Schreiber unter uns ist. Je nachdem, wie sorgfältig und akribisch
du plotten willst, wirst du am Ende deiner sieben Eckpunkte entweder jeden Kieselstein oder
auch nur jede Baumwurzel auf dem Wanderweg deines Protas zu seinem Ziel kennen.

Der Hook
Anfangen tust du natürlich mit den Reisevorbereitungen deines Helden. Der Hook ist also das
genaue Gegenteil deiner Resolution, also deines Endes. Wenn dein Protagonist am Anfang ein
schüchternes kleines Mäuschen ist, das still und leise Kuchen in sich rein futtert und am Ende
noch immer schüchtern und klein ist, hast du was falsch gemacht. Dein Protagonist startet
seine Reise von einem anderen Standpunkt als den, den er am Ende seiner Reise erreicht.
Reiße ihn aus seinem natürlichen Umfeld. Zwinge ihn dazu, sich zu verändern.

Plot Turn 1
Im ersten Wendepunkt verändert sich die Welt deines Protagonisten. Allmählich zeichnet sich
ein Konflikt ab. Du kannst, wie bei den Dramen, deinen Konflikt deutlich machen oder nur
anschneiden, sodass sich der Konflikt ebenfalls erst noch entwickelt. Dabei solltest du als
Autor den Konflikt natürlich bereits kennen, damit du ihn noch weiter ausbauen kannst.

Pinch 1
Pinchen tut man eigentlich, wenn man zum Beispiel eine neue Storyidee seinem Verleger
mitteilen möchte, ihm aber nur für fünf Sekunden im Fahrstuhl begegnet und dann die
wichtigsten Punkte zusammen fasst, um seine Geschichte dem Verleger schmackhaft zu
machen.
Bei dem Pinch in deiner Geschichte hingegen baust du besonders viel Druck auf deinen
Protagonisten aus, damit dieser zu einer Handlung gezwungen wird. Freiwillig bewegt der
sich nämlich nicht, sondern schaut auch lieber eine Serie bei Netflix, vorausgesetzt natürlich,
in deiner Welt gibt es so etwas wie Netflix. Hier wird oft der Antagonist vorgestellt, oftmals
durch einen Kampf. Wenn der Protagonist nicht handelt, kommt es zur Katastrophe. Er muss sich
also weiterhin verändern, um den neuen Gegebenheiten Stand zu halten.

Der Mindpoint
Der Mindpoint ist die Verbindungsstelle zwischen deinem Anfang und deinem Ende. Wenn du deinen
Konflikt im ersten Plot Turn nur angeschnitten hast, sollte er spätestens hier klar werden.
Warum ist es wichtig, dass sich dein Protagonist auf die Reise machen musste? Warum musste er
sich bereits verändern? Durch diese Erkenntnis fängt dein Held an, einem Zustand in einen anderen
zu wechseln. Er reagiert nicht mehr auf die Gefahren, die auf ihn zu kommen. Er handelt.
Er schafft neue Gefahren. Es sollte deutlich werden, dass dein Protagonist nicht mehr klein und
schüchtern ist, sondern groß und stark. Dass er den Kuchen auch backen und ihn nicht nur futtern kann.

Pinch 2
Wenn du an diesen Punkt angelangt bist, erzeugst du noch mehr Druck auf deinen
Protagonisten. Seine Pläne scheitern, Selbstmitleid macht sich breit, die Lage scheint
hoffnungslos zu sein, seine geliebte Katze stirbt… Es deutet alles darauf hin, dass die Feinde
gewinnen. Hier befindet sich dein Held an seinem absoluten Tiefpunkt. Er muss das Gefühl
bekommen, alles, wofür er kämpft, zu verlieren.

Plot Turn 2
Aber dann, endlich, erreicht er das Schlüsselstück, um seine Pläne umzusetzen. Das ist der
Erweckungsmoment, in dem der Protagonist morgens aufsteht und seinen Optimismus
zurückgewinnt. Endlich sieht er sich in der Lage dazu, sich seinem Feind zu stellen.

Resolution
Am Anfang deiner Geschichte war dein Protagonist noch klein und schüchtern und hat
Kuchen gefuttert. Wenn dein Held jetzt in der Resolution angekommen ist, ist er gewachsen,
selbstbewusst und hat erkannt, dass Kuchen zwar lecker ist, aber nicht glücklich macht. Dein
Held siegt über das Böse. Das kannst du gestalten, wie du magst. Ist es ein großer Show-
Down wie bei Harry Potter? Endet es mit dem Tod beider Protagonisten? Das bleibt natürlich
dir überlassen.

Ich hoffe, dass dir meine vorgestellten Plot-Methoden dabei helfen können, deinen roten
Faden schön zu verpacken. Und wenn du das nächste mal plottest kannst du ja mal darüber
nachdenken, ob du eher der Outline- oder ein Entdecker-Schreiber bist.
Egal auf welche Weise du letztendlich plottest, ich wünsche dir und deinem Protagonisten auf jeden
Fall eine angenehme Reise.

 

 

Dieser Post im #sweekkeeperblog kommt von eurer SweekKeeperin Viktoria @ViktoriaChristians. Sie schreibt gerne Young Adult und Fantasy.

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