• Background Image

    News & Updates

    Geschichten schreiben

July 6, 2018

Takeover: Wie unsere SweekKeeper zum Schreiben kamen – Victoria



Unsere SweekKeeper wollen eine neue Runde beginnen, in der sie Euch erzählen, wie sie zum Schreiben gekommen sind. Hier geht es weiter mit Victoria.


Love, love, love…

Im Gegensatz zu den Menschen, die schon als Kinder Geschichten verfassten, fand ich erst
spät zu meiner Kunst. Als Kind habe ich zwar sehr gerne gelesen und Bücher als meinen
Zufluchtsort, meinen geheimen Garten gesehen, aber erste literarische Versuche unternahm
ich (außerhalb des klassischen Mädchen-Tagebuchs mit detaillierter Knutsch-Beschreibung)
erst mit sechzehn. Damals schrieb ich englische Gedichte, in welchen sich natürlich “heart”
auf “apart” reimte und “love” auf “above”. Viele Mädchen meiner Generation saßen bestimmt
auch in ihren Kinderzimmern, hörten eine halbnackte Boygroup und reimten dazu. Love was
quasi everywhere.

Kajalfinnen und die Zeit danach…

Zu meiner Volljährigkeit bekam ich eine pinke CD, die mein Leben fast sofort auf den Kopf
stellte. Ich verliebte mich schlagartig in den androgynen Jüngling, der damals über die TV-
Bildschirme flimmerte, asthmatisch hauchte und melodramtisch den Tod besang. Was wie ein
absolutes Klischee klingt, entflammte tatsächlich mein Interesse und meine Liebe zum
kreativen Schreiben. Meine Gedichte waren nun angefüllt von “dark, poisoned souls” und
immer noch nicht wirklich vorzeigbar, aber ich schrieb öfter, füllte ganze Kladden, probierte
aus und merkte, dass ich der englischen Sprache zwar mächtig war, sie aber nur oberflächlich
das vermittelte, was ich ausdrücken wollte. In meinem damaligen Stamm-Forum lernte ich
einen Menschen kennen, der meine Interessen teilte. Er lektorierte meine erste Kurzgeschichte
(natürlich mit Drachen, Elfen und Gothic-Stereotypen….), führte mich mit seiner Familie
durch eine malerische Altstadt und betonte mein Talent, welches ich damals für ein
Hirngespenst hielt. Doch ich blieb dabei, experimentierte mit Kurzprosa, änderte Metaphern
und Vergleiche. Nach dem Abitur folgte die erste Veröffentlichung. Bis heute bin ich sehr
froh, dass ich gut begleitet wurde und einen Soundtrack mit mir trug, der so inspirierend war.

Viele Jahre später…

Ich schreibe zunächst sehr intuitiv. Meistens habe ich eine vage Idee, einige Gedankenfetzen,
die ich einige Tage “reifen” lasse. Ich schreibe eine Kurzgeschichte meistens erst nieder,
wenn die Idee sich verfestigt hat. Es passiert jedoch auch, dass ich einen Satz beginne und die
Geschichte am Ende komplett anders verläuft. Ich bearbeite natürlich meine Rohfassungen
mehrfach, ändere sprachliche Bilder, eliminiere unnötige Wortwiederholungen. Diese
Herangehensweise funktioniert bei Kurzprosa und Lyrik, sollte ich mich irgendwann an
einem Roman versuchen, werde ich die Herangehensweise wohl überdenken und planvoller
arbeiten.
Ich schreibe sehr gerne für Wettbewerbe, oft reicht ein Wort für eine Idee und ich fange an.
Es macht Spaß, zu sehen, wie mein “Epik-Lyrik-Salat” mir manchmal ein wenig entgleitet
und eine andere Wendung nimmt, die Metaphern sich verselbstständigen und in jeder
Geschichte, jedem Gedicht ein Teil von mir wohnt.



Dieser Post im #sweekkeeperblog kommt von eurer SweekKeeperin Victoria @Victoria_Pavot Sie schreibt Kurzprosa und Lyrik. Auf ihrem Knöchel prangt ein kleines Heartagram.

Du hast die Ankündigung des SweekKeeper Takeovers verpasst? Schau hier vorbei, um einen Überblick über die Autoren und die Themen zu bekommen.

June 15, 2018

Takeover: Wie unsere SweekKeeper zum Schreiben kamen – Viktoria



Unsere SweekKeeper wollen eine neue Runde beginnen, in der sie Euch erzählen, wie sie zum Schreiben gekommen sind. Hier geht es weiter mit Viktoria.


Warum ich Geschichten erfinde

Jeder Autor oder jede Autorin schreibt aus einem anderen Grund. Jeder hat seinen eigenen
Weg zum Schreiben gefunden und hat andere Hürden im Leben genommen, genauso wie
jeder andere Ansichten vertritt oder Vorstellungen hat. Genauso unterschiedlich sind auch die
Geschichten, die wir Autoren erzählen. Was könnte also mich dazu bewegt haben, mich
stundenlang vor meinen Laptop zu setzen und wie besessen auf meine Tastatur zu hämmern?

Wenn du nicht schlafen kannst, dann denk dir doch Geschichten aus

Als ich noch ganz klein war, mochte ich nachts einfach nicht schlafen. Ich weiß bis heute
nicht, woran das lag, aber ich hatte schwere Probleme damit, einzuschlafen. Eines Abends,
ich muss da so ungefähr fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, setzte sich mein Papi zu mir
ans Bett und meinte zu mir, dass ich mir Geschichten ausdenken solle, bis ich einschlafe. Seit
dem ich denken kann habe ich eine sehr blühende Fantasie und seit diesem Abend, als ich fünf
war, habe ich mir abends immer Geschichten ausgedacht und sie mir selber erzählt, bis ich
eingeschlafen bin. Manchmal tue ich das heute sogar auch noch.

Als ich in der zweiten Klasse war, mussten wir als Hausaufgabe eine Geschichte schreiben.
Meine war die Längste von allen und ging über zwei Seiten, während die von meinen
Mitschülern nur eine halbe oder eine Seite lang war. Seit dem Tag schrieb ich in
Freundebücher in die Spalte, was ich werden möchte, wenn ich groß bin, dass ich
Geschichtenschreiberin werden will, weil ich nicht wusste, dass man das Autor nennt. Immer
wenn ich gesagt habe, dass ich Autorin werden möchte, wurde ich schief angeguckt und nicht
für ernst genommen. Mein Opa wollte immer, dass ich doch bitte etwas Vernünftiges machen
soll. Früher habe ich nie verstanden, warum Bücher schreiben für ihn kein richtiger Beruf
war, weil schreiben doch mehr Arbeit und Zeit beansprucht, als so manch einer denken mag.

Seit dem ich schreiben kann, schreibe ich. In der Schule habe ich schon immer am meisten
geschrieben, weil ich mich einfach nicht kurz fassen mag (wie man vielleicht auch an meinen
immer zu langen Blog Posts merkt). Ich liebe Wörter und ich liebe Buchstaben und ich liebe
die Denotationen und Konnotationen eines jeden Wortes, das ich erschaffe. In der Q1 habe
ich mich so begeistert auf meine Facharbeit gestürzt, dass ich am Ende viel zu viele Seiten
hatte und kürzen musste. Als wir auf dem Präsentationsabend unsere Ergebnisse dann
vorstellen sollten, haben die anderen Mädchen aus meinem Seminarfach dann Plakate
gestaltet oder Hörbeispiele mitgebracht. Ich habe aus meiner Facharbeit einen Poetry Slam
geschrieben und an dem Abend sogar geslammt. Was bot sich auch anderes an, als meine
Analyseergebnisse über den sprachlichen Wandel in der Literatursprache in einem Poetry
Slam darzustellen?

Wie die ganze Reise dann anfing

Über die Jahre habe ich einige Schicksalsschläge erlitten, mit denen ich bis heute zu kämpfen
habe. In dieser Zeit habe ich sehr viel geschrieben und gelesen, wann immer es mir schlecht
ging. Oft flüchtete ich in eine andere Welt und suchte Trost bei den ganzen verschieden
Protagonisten, die die Helden ihrer eigenen Welt wurden. Dadurch habe ich viel über das
Leben an sich gelernt und verstanden, dass es auch anderen Menschen mal ziemlich scheiße
gehen kann, aber dass es nun einmal irgendwie immer weiter geht. Die ganzen Geschichten
haben mich abgelenkt und mir neue Zuversicht geschenkt.

Irgendwann habe ich angefangen, in die Storywriter-Branche auf Instagram einzusteigen, weil
ich meine Geschichten, die ich mir ausgedacht und die mir geholfen haben, mit meiner
Realität irgendwie umgehen zu können, nicht mehr allein für mich behalten wollte. Da muss
ich ungefähr 14 Jahre alt gewesen sein. Auf Instagram habe ich viele Geschichten geschrieben
und bereits einen kleinen Kreis an Lesern gewonnen, den ich dann, als ich auf Wattpad und
Sweek umgestiegen bin, erweitert habe. Das war das erste Mal, dass ich mich komplett wohl
gefühlt habe mit dem, was ich mache und auch noch Feedback bekommen habe. In meiner
Zeit als Instagram-Autorin habe ich auch Nina Mackay kennengelernt, die mich in ihre
Jungautoren-WhatsApp-Gruppe aufgenommen hat und durch die ich die Möglichkeit
bekommen habe, mich mit anderen Jungautoren auszutauschen. Mir war vorher gar nicht klar
gewesen, dass es vielleicht noch mehr Mädchen und Jungs in meinem Altern gibt, die
ebenfalls gerne schreiben und die das Geschichtenerzählen zu ihrem Job machen möchten.

Wir haben doch alle ein Thema, über das wir mit niemandem sprechen
können

Und das ist der Grund, was ich am Schreiben so faszinierend finde. Uns als Autoren ist es
möglich, über Dinge zu schreiben, über die niemand sprechen will. Aber vielleicht braucht
irgendjemand auf der Welt gerade genau das, was ich in einem Buch beschreibe, das ich vor
zehn Jahren geschrieben habe. Vielleicht hilft gerade eine traurige, kitschige Liebesgeschichte
einem anderen Menschen, für ein paar Sekunden seinen Kummer zu vergessen. Vielleicht
macht diese Geschichte einem anderen Mut und zeigt demjenigen, dass er nicht aufgeben,
sondern weiter machen soll. Vielleicht kann ich als Autorin auf diese Weise mit anderen
Menschen sprechen und ihnen durch meine Figuren und meinen Geschichten irgendwie
helfen, weil Reden an sich nicht so mein Ding ist. Ich möchte all den Menschen etwas
schenken, das ich auch bekommen habe, als es mir nicht gut ging und ich mich zwischen die
Zeilen einer fremden Welt geflüchtet habe. Deshalb erfinde ich Geschichten.



Dieser Post im #sweekkeeperblog kommt von eurer SweekKeeperin Viktoria @ViktoriaChristians. Sie schreibt gerne Young Adult und Fantasy.

Du hast die Ankündigung des SweekKeeper Takeovers verpasst? Schau hier vorbei, um einen Überblick über die Autoren und die Themen zu bekommen.